Die Klientenzentrierte Psychotherapie (auch als Gesprächspsychotherapie oder Personenzentrierte Psychotherapie bekannt) wurde von dem amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers (1902–1987) in den 40er Jahren begründet. Einer der wichtigsten Mitarbeiter bei der Entwicklung dieses Ansatzes ist der 1938 aus Wien vertriebene Eugene Gendlin.
Diesem Ansatz liegt die Überzeugung zugrunde, dass der Mensch über ein ihm inne-wohnendes Entwicklungspotenzial verfügt: eine grundsätzlich konstruktive Aktualisierungstendenz. Dieses Potenzial wird jedoch nur in zwischenmenschlichen Beziehungen wirksam angesprochen, in welchen man bedingungsfreie Wertschätzung und empathisches Verstandenwerden durch (mit sich selbst) kongruente Bezugspersonen erfährt. Wenn eine therapeutische Beziehung wesentlich von diesen Grundeinstellungen getragen ist, kann man sich achtsam begleitet und angstfrei den eigenen inneren und äußeren Zerrissenheiten, Inkongruenzen, Blockaden und Veränderungswünschen zuwenden und die für persönliche Veränderung nötige Tiefung und Klärung des eigenen inneren Erlebens wird möglich. Der Klientenzentrierten Psychotherapie wird von der Forschung „eine sehr überzeugend nachgewiesene Wirksamkeit für ein sehr breites Spektrum von Störungen“ bestätigt.
Sie wird sowohl als Einzel- wie auch als Gruppentherapie angewandt. Außerdem wurden eigene Formen der Kinder- bzw. Spieltherapie und der Paar- und Familientherapie sowie der Familienspieltherapie entwickelt. Darüber hinaus sei auf spezifische Formen wie die Prä-Therapie (Prouty) zur Kontaktgewinnung mit schizophrenen oder geistig behinderten Menschen oder den Einbezug kreativer Medien in der Klientenzentrierten Kunsttherapie (Groddeck) verwiesen. Über den Bereich der Psychotherapie hinaus wurden u. a. Konzepte der methodischen Achtsamkeit auf inneres
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Erleben (Focusing), des schülerzentrierten Unterrichts und der humanistischen Päda-gogik oder einer personzentrierten Kommunikation (z.B. Familienkonferenz, Gordon) entwickelt.